Mit Kinderaugen dem Rennen begegnen oder wie ich den Fokus auf mich verbessere, so würde ich das bezeichnen. Denn darum geht es, oder? Natürlich sieht man die anderen Zeiten, das Equipment und im Gegensatz zu manch anderen Sportarten hat man sich als Triathlet, ob Anfänger oder Pro, sehr intensiv auf ein Rennen vorbereitet. Da sind die langen und zeitintensiven Trainings, die Vorbereitung schon Wochen vor dem Wettkampf, die Materialfrage und -pflege, die vielen Regeln... Unmengen an Dingen, die man selbst oder mit Hilfe eines Coaches in den Griff bekommen will. Und dann ist Renntag. Blackout? Unsicherheiten?

Man versucht sich zur Vernunft zu rufen und trotzdem wummert in einem der unbändige Gedanken: „Kein DNF, bitte kein DNF,...“ Insbesondere bei Anfängern ist die Angst zu versagen schon im Training zu spüren. Die Anmeldung am Rennen, eine Verpflichtung? Ja, aber nur für sich selbst! 

In solchen Momenten des Zweifelns gibt es nur eins. Sei Kind!

Warum? Weil Kinder einen viel klareren Fokus auf sich haben und den Moment. Das Rennen soll Spaß machen! (Ist das wirklich zu hinterfragen?)

Genieß das eigentliche Geschehen: Die Konzentration liegt auf dem Ergebnis, denn das ist das Einfachste. Aber ist das, das Wesentliche um Erfolg zu haben? Nein, schau Dich um. Du bist an einen besonderen Ort gereist, triffst Gleichgesinnte und besondere Menschen. Du wirst Leiden, aber dabei viel Spaß haben. Öffne wie ein Kind Deine Augen und nimm alles um Dich wahr. Genieß die kleinen Dinge und setze Dir daraus ein Bild zusammen. 

Zelebriere das Rennen: Wenn Du Deine Energie freisetzen willst, dann komm aus Deiner Muschel hervor, feure an und begeistere die anderen Mitstreiter. Ein High-Five, ein freundliches Lächeln, die Frage helfen zu können oder der Plausch beim Check-In. Auch wenn Du Dein Rennen allein bestreitest, ist es ein Besseres, sich an das nette Gespräch in der Startzone zu erinnern.

Letztes Jahr wusste ich beim Start, dass ich mal wieder Kälteprobleme bekommen werde. Aber ich hatte da diesen netten Mitstreiter, 50 Jahre, am Renntag Geburtstag, sein Geschenk an sich selbst... Toll! Und dann na ja, dann kam die Kälte und mein Körper machte alles, nur nicht funktionieren. Und da waren sie die Gedanken, wie viel Spaß es doch eben gemacht hatte mit einem Mitstreiter die Nervosität zu verdrängen. Also hielt ich fest daran und versuchte den Rhythmus zu finden. Danke also an den Rennkollegen – am Ende bin ich meine PB geschwommen.

Mach es nur für Dich selbst: Dein Platz, Deine Zeit – alles Dinge, die Dich anspornen sollen. Doch ist es nicht egal am Ende bei einem Sport, der ein hyperaktives Treiben verursacht und eine Überfokussierung auf extreme Distanzen? Ich habe schon so viele Rennen gemacht und manchmal ging der Plan auf und manchmal, wenn ich besonders viele Ziele gesetzt hatte, na ja, da ging der Plan auch mal schief. Langdistanzrennen sind nur bedingt kontrollierbar und am Ende geht es um Dich. Darum es für Dich zu erreichen. Deine Leistung steht im Verhältnis Deines Trainings, Deiner Motivation und Deines Rennverlaufes. Das Gefühl es gemeistert zu haben, steht als Age-Grouper im Vordergrund oder sollte es zumindest. Ein Kind würde den Fokus von sich nicht lösen. Kinder neigen dazu sich zu feiern, trotz aufoktroyierter Niederlage. Also feiere Dich!

Genieß den Service: Ein Rennen ist von vielen Menschen geprägt, die sich um Dein Wohlergehen kümmern. Ein Kind nimmt so etwas sehr dankend an und genießt die Hilfe. Als Teilnehmer hast Du sogar dafür bezahlt. Also sauge die Energie ein und gib Sie selbst bei schweren Zeiten im Rennen zurück. Du wirst sehen, wie durch Geben und Nehmen eine Energie frei wird, die fast beängstigend ist. Wenn man sich den "Solarer Berg" vor Augen führt oder der "Römer" so kann nichts belohnender sein als Helfer, Freunde und Fans.

Im Jetzt sein: Kinder sind noch nicht geprägt von vielen Erfahrungen und Fehlern aus der Vergangenheit. Sie müssen nicht langfristig planen. Deswegen erleben sie ein Ereignis mit all Ihrer Energie und ohne Schleier. Und wir?

Es geht darum, die viele Planung in die Zukunft und aus der Trainingsvergangenheit in diesem Moment hinter sich zu lassen. Was hilft es am Renntag über verlorene Trainingseinheiten nachzudenken. Was wäre wenn...? Deine Kraft liegt in der Gegenwart. Also genieß jeden Armschlag, jede Pedalumdrehung, jeden Schritt, denn:

Du hast es Dir verdient (Dich zu quälen)! Erlebe den Augenblick mit der Leichtigkeit von Kinderaugen!

 

 

Autor: Marcel Neiber – Swimbikerun.coach - Triathlon Coaching - Berlin