Die Sterne standen gut, denn nach einigen schwierigen Themen mit IRONMAN U, hatte man mir zwei All-Access Karten für die Hamburg Premiere organisiert. Voller Vorfreude ging es mit einem Athleten und guten Freund deswegen schnurstracks nach Hamburg. Eine kurz Nacht Schlaf und dann zum Ort des geschehen: der Junfernstieg an der Alster. 

Kalt war es, ordentlich sogar, aber zunächst war keine Zeit für die Kühle des Morgen. Einigen Fragen, Gängen und Gebäuden später und wir konnten die All-Access Karten in den Händen halten und eilten in die Startbereiche. Die Sonne lugte gerade hinter den Innenstadgebäuden hervor, als der letzte Check im Park-Fermé schon im vollen Gang war. Entlang des Ballindamm und am Ufer der Binnenalster erstreckt sich ein langes Meer an Rädern. Zur Premiere der Langdistanz und ungewohnt für die Hamburger Zuschauer nicht in Blau sondern in Schwarz-Rot.

So richtig Stimmung wollte aber bei der Premiere nicht aufkommen. Alles fing recht nordisch verhalten an. Erst mal schauen, dann sehen wir weiter, dachten wohl viele. Hamburg war irgendwie noch recht verschlafen als sich am Jungfernstieg und dessen Ufertreppen die ersten Athleten im Startbereich einfanden. Organisatorisch ein bisschen überfordert war die Stadt schon, Mangel an Mülleimern und Offiziellen, die wussten was wo und wie war... aber wir wollten nicht zu kritisch sein, denn auch das gehört zu einer Premiere dazu.

Inzwischen waren die kräftigen Lautsprecher am Dröhnen und die üblichen Motivationsansagen der IRONMAN Crew zauberte Lächeln in so manches verunsichertes Athletengesicht. Leider, so mussten wir am Ende auch nochmals resümieren, waren nicht wirklich viele und bekannte Profis am Start, was dem Wettkampf sicher als Premiere noch besser gestanden hätte. Hoffen wir auf nächstes Jahr. Die sympathische Daniela Sämmler hinterließ im Startbereich einen tollen Eindruck und schloss den Gap ein Stück.

Das Wummern des Countdown lief an und die Profis starteten im Wasser unter echtem Hamburger Wetter. Das kleine Feld der Männer und Frauen bewegte sich durch die Binnenalter und die Age-Grouper säumten sich in einer langen Schlange am Ufer. Auf ging es und im Rolling-Startverfahren gib es auf den Steg ins kühle Nass. So langsam war eine Gewisse Grundstimmung zu spüren, wenn auch die Zuschauerbeteiligung noch gering ausfiel. Aber dafür waren da noch die tollen und wirklich extrem gut motivierten Helfer, die die Athleten mit Umarmung und sogar Wangenküsschen auf den längsten Tag ihres Lebens schickten.

Inzwischen war ich selbst vollkommen durchgefroren, was sich wirklich als späterer Reinfall mit Blasenentzündung rausstellen sollte. Leider sind deswegen die Bilder vom Laufen auch zu kurz gekommen. Wir suchten uns ein kleines Café um uns aufzuwärmen, was inzwischen auch ein spannendes Unterfangen war, denn alle Athleten Begleitungen suchten die Wärme von Innenräumen auf. Nach gut 20 Minuten wollten wir aber wieder ins Geschehen.

Sichtlich mehr Zuschauer am Ufer säumten sich inzwischen als die ersten Schwimmer unter der Zielbrücke durchschwammen. Wie immer eine besondere und beeindruckende Kulisse für einen Schwimmaustieg. Die Wechselzone ist dann ein Stück zurückliegend und füllt sich schnell mit der Profigruppe. Glücklicherweise können wir direkt im Pressebereich stehen und genießen den Start der zweiten Disziplin in vollen Zügen. 

Die Radstrecke führt gut abgesperrt durch ein paar schöne Teile Hamburgs und geht dann schnell raus aus der Stadt. Wir haben nur den inneren Teil uns angeschaut, was aber sehr lohnenswert war. Die Hamburger waren erwacht und säumen sich nun entlang der Strecke und direkt vor der Wechselzone ist nach einer Tunneldurchfahrt der Wendepunkt. Schnell entsteht durch einen begeisterte Menschenmasse ein Tunnel. Die Zuschauer geleiten alle Athleten á la Tour de France Gasse aus der Straßenunterführung durch die 180° Kurve. Wahnsinnig gute Stimmung. Nächstes Jahr wird das sicher so was wie der zweite "Solarer Berg". Gerade auf der Hälfte ein riesen Schub für alle Athleten, bevor es wieder in die Stille geht und man mit sich selbst beschäftigt ist. 

Auch das Laufen ist in einem Innenstadt Bereiche immer etwas Besonderes. Es fühlt sich in Hamburg so an, als ob mit jeder Stunde die Stadt mehr und mehr ins Triathlonfieber fällt. Die Profis kommen noch recht "einsam" ins Ziel, aber dann säumen sich zum frühen Nachmittag Tausende und feuern lautstark an. Auch wir verfallen dem Zauber und treffen wie immer tolle Leute und Helfer die den Traum an diesem Tag ein Stück mit leben.

Im Ganzen war der Start ein wenig zögerlich, aber am Ende ist es ein kleines Hamburger Sommermärchen geworden. Mit noch mehr Medienpräsenz und Selbstbewusstsein im nächsten Jahr wird Hamburg sicher ein echtes Statement. Zudem endlich auch eine Langdistanz im Norden. Wir freuen uns auf mehr, liebes Hamburg, und kommen ganz bestimmt wieder!
 

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