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June
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Viking Style - IRONMAN 70.3 European Championships Elsinore

By Marcel Neiber In Alle Themen, Szene Comments: 0 Tags: Racing IRONMAN 70.3 Travel Tips vor Ort Elsinore

Ein Reise- und Wettkampfrückblick: zwei Dinge muss ich vorschicken, das war für mich einer der härtesten Wettkämpfe, die ich persönlich gemacht habe. Das Zweite ist, ich hab keine Sekunde bereut.

Im letzten Jahr: Die IRONMAN 70.3 Europameisterschaft war, seit ich denken kann, in Deutschland. Nachdem Rügen es nicht geschafft hatte, stand nun Helsingør in Dänemark fest. Hoch motiviert und voller Tatendrang meldet ich mich an. Ha, was hatte mich da nur geritten?! Ich dachte Sommer, Sonne und Strände. O.K., die Quallen waren mir noch im Ohr, aber irgendwie hab ich nicht über Wassertemperaturen nachgedacht.

Drei Wochen vor Helsingør waren die Wassertemperaturen bei 13.6°C. Weniger als 14°C würde heißen kein Schwimmen. Ich schrieb also den Veranstalter, der mir mitteilte es würden wahrscheinlich noch die üblichen 18-19°C werden. In 3 Wochen, also ehrlich. Mit einer Triathletin aus Dänemark hab ich mich dann unterhalten und was soll ich sagen, sie war bei 12°C schwimmen und fand es toll. Da fehlt mir wohl das Wikinger Gen. 

Nun gut, alle ist gebucht und das stündliche Online-Prüfen der Temperatur brachte auch nichts. Am Freitag auf der Fähre Rostock-Gedser gab es erst mal Sturm und somit war die Ankunft in Dänemark kühl. Dann ging es zwei Stunden durch eine grüne Landschaft nach Norden, direkt auf den Campingplatz, wo eine kleine dänische Holzhütte auf uns wartete. Voll ausgestattet, sauber und gemütlich fühlten wir uns sofort wohl. Mit Blick auf das Meer und Schweden gegenüber, fasst schon zum Anfassen, schweifte der Blick über den Campingplatz. Neopren, TT-Bikes, Kompressionsklamotte... ein wahres Nest an Triathleten.

Nach ein paar netten Gesprächen mit anderen Triathleten gingen wir los zur Registrierung. Lediglich 1,3 km Fußweg direkt am Strand und am Jachthafen entlang fing uns der erste Hauch der Europameisterschaft ein. Die Kulisse wurde immer imposanter, denn die Kronburg kam nun auch in den Blick, der Hafen und das Kulturhaus. Die Innenstadt gesäumt von kleinen liebevoll restaurierten Häusern. Was für ein toller Ort.

Die Registrierung ging wie immer schnell und reibungslos. Was im Übrigen für den ganzen Wettkampf galt. Extrem gut organisiert mit nur wenig Kritik und endlich Badekappenfarben nach Schwimmzeiten. Bei aller Routine, die ich mit Wettkämpfen habe, war da aber wieder das kalte Wasser im Kopf. Also Samstagmorgen nach dem Frühstück erstmal zum Strand. Neo, Neoprenbademütze, Schwimmboje und rein ins kalte Nass. Brrr, 15°, Strömung und Wellen. 20 Minuten und ich war gefroren genug. So was ist nix für mich. Augen zu und durch, war nun die Devise für Sonntag.

Also Rad durchchecken, Proberunde, Wettkampfbeutel packen und ab zum Bike-Check-In. Auch hier kein Anstehen und gut organisiert säumen sich 2.500 Athleten in den Park Fermé. Was für ein Aufgebot. Natürlich ist das Aufgebot bei einer Europameisterschaft höher als bei andern Wettkämpfen. Wenn nur im Durchschnitt ein Rad bei 4.000 € liegt, standen da für Rennen 10 Mio. € auf einem Platz. Irre!

Das Wetter wurde irgendwie nicht besser, also genossen wir einen Ironman-Burger am riesigen Burgerstand mitten im Trubel und setzten und ins Kultur-Kaffee. Neben leckerem Kaffee sind die Fisch&Chips echt zu empfehlen! Einfach pures Trilife – die Ruhe vorm Wettkampf, dem Treiben der Mitstreiter zuschauen, Fachsimpeln und Gleichgesinnte treffen.

Die Wettkampfbesprechung fand in der nebenstehenden Halle statt und war natürlich die übliche IRONMAN Motivationsshow. Trotzdem lustig, denn als es um die Streckenführung sowohl im Wasser als auch auf dem Rad ging, war das laute Schmunzeln der Athleten nicht zu überhören. Ich hab es "Brummkreisestrecke" genannt. Noch ein spannendes und herausforderndes Element. Dafür mit Fahrradannahme beim Wechsel.

Am Renntag weckte uns die Sonne um 5 Uhr – blauer Himmel. Es sollte zumindest nach dem Schwimmen alles stimmen. Um 6 Uhr kurz das Rad aufpumpen, Essen und Flaschen verstauen, ein kurzes Frühstück und ab in den Neopren. Am Startplatz war natürlich schon die Hölle los bei einer sehr relaxte Grundstimmung. Also rein ins Wasser und warm schwimmen. Oh, weia, 15° C sind nun wirklich nichts für mich. Aber allen andern ging es auch so. Lustigste Kommentare im Hafenbecken!

Start war dann gut 30 Minuten später. Ich frag mich dann immer, was das mit Warmschwimmen zu tun hat. Egal, los ging es, erste, zweite Boje... Beklemmung beim Atmen. Dritte Boje, ich werd selbst zur Boje und muss meine Atmung beruhigen. Der nette Däne auf dem SUB bekam schon Panik, er würde jetzt einen ersten Einsatz haben. Ich beruhigte ihn und weiter ging es. Überall tauchen Köpfe auf und es wird brustgeschwommen. Ich versuche meinen Kopf unten zu halten, aber es war so kalt das mir die Hände und Füße wehtaten. Irgendwie hab ich es dann doch geschafft. Und nach einer kurzen Bauchlandung am Steg ging es dann in die Wechselzone... in der alles belegt war. Also suchte ich mir einen Betonklotz und machte mich dort fertig. Die Hände so kalt das ich nix richtig fassen konnte und eine Wechselzeit von 10 Minuten hinlegte. Nix passte, mit Wut auf´s Rad. Solche Wettkämpfe gibt es nun mal auch, bei aller Erfahrung.

Dann mal voll drauf. Entlang der Küste, einfach wunderschön. Meinen Rhythmus hatte ich sofort. Das klappt immer. Also mal die Geschwindigkeit checken ... Wie agezeiget Sportart "Laufen"? Mist, nicht mein Tag, da hab ich die Taste and der Uhr wohl falsch getroffen. Also werd ich rechnen müssen, auch noch. Nach ein paar Kilometern war eins klar einreihen oder Gas geben. Es gab nichts dazwischen, denn dafür war die Strecke zu voll. Ich gab Gas.

Doch auch die Radstrecke war besonders. Neben dem dänischen Wind, gefühlt aus allen Richtungen, ging es hoch und runter. Auf dieser Strecke sollte ich nur einmal mein großes Kettenblatt benutzen. So was hatte ich noch nie. Ich trete hohe Wattleistungen, aber sobald es runter ging, ging es auch wieder hoch, oder der Wind sorgte für Steherqualitäten. Die Radstrecke ist trotzdem absolute klasse. Abwechslungsreich geht es auf autofreier Strecke und guten Asphaltbelägen durch schöne Landstriche mit begeisterten Dänen. 

Nach Stippvisite in der Stadt geht es in einer großen Schleife nochmals raus und dann rein zur Wechselzone und ich nutze die Zeit, um nochmals Gas zu geben. An meine Topzeiten werde ich nicht ran kommen, aber es sollte gut laufen. Der Wechsel verläuft soweit auch normal, aber ich spürte schon, das im linken Fuß nicht alles in Ordnung ist. Und prompt humple ich die ersten 800 m. Im Übrigen mit inzwischen viel Sonne und schon leichtem Sonnenbrand. Nach dem Eisbad irgendwie schon grotesk.

Meine Fußprobleme sollte mich nun leider fast 18 km begleiten. Dennoch ist es bei der Kulisse, Laufstrecke und den begeistertem Publikum kaum möglich zu verschnaufen oder darüber nachzudenken. Mein Gefühl sagte mir, ich würde die 6 Stunden nicht mehr knacken. Aber ein Gefühl kann sich auch irren. Also genoss ich einfach nur noch den tollen Wettkampf in herrlicher Atmosphäre und Kulisse und gelangte auf die Zielgerade ... und doch noch mit wenigstens 5:47h ... was für ein schöner Abschluss bei so vielen Widrigkeiten.

Wenn mich jemand nach einem Resümee fragt, würde ich sofort wieder hinfahren. Es ist wirklich ein sehr gut gewählter Ort für eine Europameisterschaft. Ein Wettkampf, den man unbedingt einem mitgemacht haben sollte. Auch als Zuschauer, Fan und Familie ist das Umfeld um den Wettkampf traumhaft. Ich bin immer noch kein Fan von den Wassertemperaturen. Aber am Ende habe mich ganz neuen Herausforderungen stellen können. Geht es nicht auch darum?! Ich denke schon und bei so beindruckenden Zeiten, die trotz Kälte, Wind und Hitze von den Athleten abgeliefert wurden, fällt der IRONMAN 70.3 Elisnore sicher in die Kategorie:

Do some epic shit!
 

 

 

Autor: Marcel Neiber – Swimbikerun.coach - Triathlon Coaching - Berlin

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